Karriere

Das klassische Bewerbergespräch

Selbstverständlich ist jedes Bewerbungsgespräch grundsätzlich individuell. Auch wenn niemals alle Gespräche im gleichen Schema verlaufen, so gibt es doch eine Reihe von Fragen, die immer wieder vorkommen und den Verlauf eines Bewerbungsgespräches bestimmen können. Je nach der Wertigkeit einer Position wird die Gesprächsdauer zwischen 30 und 90 Minuten variieren. Empathische Personalmanager schaffen Vertrauen, eine gute Gesprächsatmosphäre und können den Gesprächsteilnehmer öfnen. Dabei steuern sie das Gespräch so, dass der Bewerber mindestens zwei Drittel oder mehr der Redezeit zur

Verfügung hat. Leider gibt es auch ausgesprochen redselige Interviewer, die sich und das Unternehmen zu ausführlich darstellen und dem Bewerber letztlich deutlich zu wenig Einstieg in das Gespräch Zeit lassen. Aber das ist die Ausnahme und sollte so nicht vorkommen. In einem solchen Fall sollten Sie besonders darauf achten, die wichtigen Punkte des roten Fadens einzubringen.

Die häufigste Reihenfolge eines Gespräches setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Begrüßung, Warming-up und Small Talk
  • Gesprächseinstieg und Darstellung des Arbeitgebers
  • Präsentationsphase des Bewerbers
  • Fragephase des Arbeitgebers
  • Fragephase des Bewerbers
  • Gesprächsabschluss

Bereits der erste Eindruck bei der Begrüßung verläuft idealerweise positiv. Ein fester Händedruck und ein Blick in die Augen, den Sie das ganze Gespräch halten können, ohne den Gesprächspartner anzustarren, sind Selbstverständlichkeiten. Bei mehreren Gesprächspartnern lassen Sie den Blick natürlich wandern, damit sich jeder Teilnehmer von Ihnen angesprochen fühlt. Der Einstieg in das Interview erfolgt meistens über eine nette Auflockerungsübung. Small Talk ist gefordert, was nichts anderes bedeutet, als dass Sie mit kleinen Überflüssigkeiten ins Gespräch kommen.

Immer und überall ist gekonnter Small Talk der Türöffner und ein wichtiges Element der zwischenmenschlichen Kommunikation, denn er prägt den berühmten ersten Eindruck.

Ihnen werden scheinbar harmlose Fragen gestellt, die allerdings deutlich den Gesprächsverlauf beeinlussen können – in positiver oder auch negativer Hinsicht. Sollten Sie zu nervös sein, dürfen Sie dies auch gerne Ihrem Gegenüber sagen – es sei denn, der Leser ist eine erfahrene Führungskraft. Der Interviewer wird Sie beruhigen und Ihre Offenheit zu schätzen wissen, denn ein authentischer Bewerber verspricht ein gutes Interview. Der wirklich schöne Nebeneffekt des Small Talks ist, dass die gesamte Situation unverkrampfter wird und Sie schon Ihren Gesprächspartner etwas einschätzen können. Die Fragen werden eher knapp beantwortet und auch Betonungen vermitteln dem Interviewer einen ersten Eindruck. In dieser Phase wird der Grundstein für die Sympathie-Ebene gelegt.

„Haben Sie uns gut gefunden“
„Wie sind Sie zu uns gekommen?“
„Haben Sie gleich einen Parkplatz gefunden?“.

Das sind ganz unverfängliche Fragen, die jede Gesprächsatmosphäre aulockern und dem Bewerber die Nervosität nehmen sollen. Gehen Sie auf diese Fragen ein, nutzen Sie den Small Talk, um eigene Sicherheit zu gewinnen und erste Sympathiepunkte zu sammeln.

Die Frage nach der Anreise ist ein wunderbarer Opener. Erzählen Sie, dass Sie das Unternehmen leicht gefunden haben oder dass Ihnen der Eingangsbereich gefällt. Lediglich negative Nachrichten oder das Wetter, was schon viel zu oft herhalten muss, sollten ausgespart bleiben.

Small Talk ist auch etwas Diplomatie. Ohne übertreiben zu wollen, können Sie das eine oder andere Kompliment einstreuen. Dass Sie sich freuen, die Firma einmal von innen kennenzulernen oder Sie bedanken sich für die gute Anfahrtsbeschreibung / -skizze. Legen Sie sich, passend zum Arbeitgeber, einige positive Aspekte zurecht, damit Sie nicht nach Antworten suchen müssen, sollte der Small Talk unerwartet länger dauern. So eine Situation kann sich schnell ergeben, wenn mehrere Personen am Gespräch teilnehmen werden, aber noch nicht alle anwesend sind.

Falls Sie in einen Raum geleitet werden, wo noch andere Gesprächspartner sitzen, dann begrüßen Sie selbstverständlich auch diese Personen, indem Sie offen auf sie zugehen und freundlich die Hand reichen. In der Regel wird Ihnen ein Platz zugewiesen, den Sie auch erst dann einnehmen, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Es ist sinnvoll, ein Getränk anzunehmen, denn ein gutes Interview ist manchmal recht zeitintensiv und ein Glas Wasser kann dabei durchaus hilfreich sein. Allerdings sollte sich Ihre Auswahl auf die Offerte

beschränken, die Ihnen angeboten wird. Sonderwünsche sind unangebracht. Falls Sie in den Raum kamen und vorher mit niemanden der Anwesenden sprachen, so kann der Small Talk nun nachgeholt werden. Das wird die Situation ein wenig auflockern und eine angenehmere Atmosphäre verschafen.

Der Einstieg in das Gespräch

Nach dem Small Talk und dem Austausch der Höflichkeiten kommt meistens die kurze Vorstellungsrunde des Unternehmens und in der Regel wird Ihnen nun etwas über den Arbeitgeber, dem Standort, die Abteilung und die Aufgabe erzählt. Hören Sie genau zu, vergleichen Sie alle Informationen mit den Punkten aus der Stellenbeschreibung und mit den Informationen, die Sie selbst bereits über das Unternehmen gesammelt haben. Nicken Sie ab und zu, was Aufmerksamkeit signalisiert und dem Redner ein positives Feedback vermittelt. Natürlich unterbrechen Sie nicht oder kommen nicht auf Idee, Aussagen des Arbeitgebers zu verbessern.

Ihre eigenen Ansichten werden später und ausführlich gefragt. Nehmen Sie alle Informationen, wie Kennzahlen, Philosophie, Firmengeschichte oder Zukuntspläne konzentriert auf. Und vielleicht erfahren Sie ein interessantes Detail, was Sie aus den eigenen Recherchen bisher nicht kannten.

„Woher kennen Sie unser Unternehmen?“
„Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“
„Kennen Sie schon Inhalte unserer Produktpalette?“

Ab jetzt sind Sie gefordert, denn nun führen Sie einen ernsthaten Dialog. Hier stellen Sie die recherchierten Unternehmens- und Produktkenntnisse unter Beweis. Lassen Sie diesen Punkt aber nicht zu sehr ausufern. Auch wenn Sie viel wissen, so glänzen Sie jetzt nicht mit einem langen Vortrag. Nehmen Sie aus Ihrem Wissen die basisrelevanten Fakten, die zur Beantwortung wichtig sind. Sachlich, konkret und punktgenau. Einige Unternehmen sind auch sehr daran interessiert, wie Sie sich über das Unternehmen informiert haben. Antworten Sie hier offen und direkt. Alle zusammengetragen Informationen waren frei zugänglich. Ein erster Kontakt auf einer Informationsveranstaltung oder Messe freut jeden Arbeitgeber. Zeigen Sie dem Unternehmen, dass Sie nicht nur sehr interessiert, sondern auch fleißig waren.

Eine missverstandene Frage zu Beginn kann ein Gespräch in eine falsche und negative Richtung führen. Beugen Sie dem vor und fragen Sie ganz ruhig und unaufgeregt nach, wenn Ihnen eine Fragestellung unklar ist. An dieser Stelle gilt besonders:

Bleiben Sie stets Sie selbst. Verstellen Sie sich nicht, erfinden Sie nichts, um die Situation zu retten und bleiben Sie immer authentisch. Sie können niemand anders sein und sollten es auch nicht versuchen. Sollte die Tätigkeit doch eher andere Inhalte oder Kompetenzen fordern, als Sie beherrschen oder Ihnen liegen, dann ist ein sauberer Ausstieg immer besser.

Natürlich haben Sie Ihren roten Faden im Kopf, denn Sie sind gut vorbereitet und kennen Ihre Kompetenzen. Aber erfinden Sie keine Elemente dazu, wenn Sie später nicht überzeugen können. Sollten Sie allerdings zwischendurch gefragt werden, dann beantworten Sie die Frage kurz und sachlich. Auch hier gilt: es ist noch nicht Ihr Part. Ihre ausführliche Redezeit beginnt erst noch und Sie sollten daher den Dialog noch nicht ausschweifend aufnehmen.

Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/13237/

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